


Unser nächstes Reiseziel war eins, auf das wir uns mit am Meisten gefreut hatten: Der Amazonas.
Ungefähr 1 1/2 Stunden nach dem Abflug in Bogotá sind wir am sehr kleinen und einfachen Flughafen von Leticia gelandet. Leticia selbst ist winzig, die Landebahn sieht auf dem Stadtplan länger aus als der Ort selbst. Die Leute da sind super nett und bewegen sich fast ausschließlich auf dem Motorrad oder Moped fort, auch ganze Familien auf einem.
Am ersten Abend machte der Regenwald dann gleich mal seinem Namen alle Ehre, denn momentan ist Regenzeit und daher regnete es wie beim Hurricane 2006 in Sturzbächen von 17h abends bis 11h morgens durch. Dementsprechend unter Wasser standen alle Straßen und natürlich auch der Dschungel, der zu dieser Jahreszeit sowieso komplett meterhoch überflutet

ist und daher nur mit Booten "betreten" werden kann. Die indigene Bevölkerung, die nicht in der auf einem Hügel gelegenen Stadt wohnt, hat sich darauf vorbereitet, indem sie ihre Häuser auf bis zu 5m hohe Pfähle baut. Als wir da waren, stand das Wasser auf Haustürhöhe. Dass allerdings so viel Wasser vom Himmel kommt wie an dem Tag gibt es so alle 10 Jahre mal wurde uns erzählt. Zum Glück gibt es aber die funktionierende Regel, dass auf einen Regentag zwei Sonnentage folgen, so dass wir unsere Zeit gut nutzen konnten.


Im Hotel haben wir ein deutsch-kolumbianisches Paar kennengelernt, das uns am zweiten Tag auf einen (natürlich überfluteten) Dschungelpfad mitgenommen hat, bis hin zu einem 35m hohen Baum, auf den man draufklettern konnte. Die Aussicht über den Dschungel war super, den weiteren Weg über gespannte Seile zu einem 30m und von da aus zu einem 110m entfernten Baum ist Baschi dann aber alleine "gegangen". ;-)
Abends wurden wir von einem Guide, der uns auf der Straße angesprochen hat zusammen mit zwei anderen Deutschen zu einer Feier von Indigenen eingeladen. Vier Stämme trafen sich in einer riesigen Holzhütte, um um die Wette zu tanzen und zu singen. Der Guide kannte einige der Leute, so dass wir, ausgestattet mit Zigaretten-Geschenken für den Veranstalter und Lebensmitteln für seine Frau, dort willkommen waren, obwohl es eben keine Touristen-Veranstaltung war. Die Menschen dort waren normal angezogen, sangen aber in ihren Sprachen und tanzten nach alten Ritualen um für bestimmte Früchte u.ä. zu danken. Es war wirklich cool und interessant und irgendwann wurden wir dann auch überredet, mitzutanzen. Schwer war's nicht, die haben nur bestimmte Schrittfolgen im Kreis gemacht und nach anfänglicher Skepsis unsereseits war's doch ganz witzig. Die Leute waren sehr nett und haben sich gefreut .

Leticia liegt an einem Grenzdreieck mit Brasilien und Peru, so dass wir in diesen Ländern dann auch waren. Nach Brasilien sind w

ir absichtlich gelaufen, es gibt allerdings keine Grenzkontrollen oder so, man geht einfach rüber. Peru liegt auf der anderen Seite des Amazonas, da kommt man automatisch mit Booten rein, wenn man ne Tour macht oder auch einfach mit dem Wassertaxi. Kontrollen gibt's auch da nicht. Im Vergleich zum schon wenig spaktakulären, aber angenehmen Leticia kamen uns die kleinen Grenzstädte von Brasilien und Peru rümmeliger und dreckiger vor, wir haben uns nicht wirklich dort aufgehalten, im Gegensatz zum Pool des Hotels, der bei der extremen Hitze zwischendrin mal wirklich angenehm war.

Das Highlight der Reise war eine 10-Stunden-exklusiv-Tour mit Anibal, unserem Bootsfahrer und Guide. Wir haben nichts in den Hotels oder Reisebüros vor Ort gebucht, sondern sind einfach zum Hafen gegangen und haben ihn da getroffen. Nach harten Verhandlungen um den Preis ist er dann nur mit uns beiden (weil Nebensaison ist, waren außer ein paar Europäern kaum Touristen da) auf seinem für bestimmt zehn Personen ausgelegten Motorboot los, erst am Fluss entlang, dann mitten durch den Dschungel. Den Pfad, den er im Sommer als mehrtägige Wandertour anbietet, haben er und Freunde angeblich mit Macheten selbst in den Dschungel geschlagen. Durch den hohen Wasserpegel sind wir dann aber mit dem Boot durchgefahren.
Anibal hatte ein gutes Auge für versteckte Tiere und Spaß daran, sie und uns wortwörtlich nahe zu bringen.



Mein persönliches Highlight war, dass er in einen Baum geklettert ist und uns ein Faultier runter geholt hat. Es war ein bisschen verschreckt, hat dann katzenartig angefangen zu fauchen (auch wenn es auf dem Foto so nett und unschuldig guckt, Anibal hatte eine Narbe von Faultierkrallen an der Hand) und als wir es wieder in den Baum gesetzt haben versucht, schnell wegzuklettern. Fällt Faultieren allerdings er schwer... ;-)
Auch Leguane wurden durch mit-dem-Boot-gegen-den-Baum-Fahren beim schlafen gestört und landeten im Wasser, leider sind sie dann nicht mehr in unserer Sichtweise aufgetaucht, auch wenn Anibal lange

gesucht hat.

Wo die Taranteln sitzen, wusste er sofort, Delphine mussten dagegen erst angelockt werden, indem Baschi von ihm immer wieder aufgefordert wurde, ins Wasser zu springen. "Je lauter, desto besser, ihr müsst planschen!" Hat sich dann aber auch gelohnt, wir haben sowohl rosafarbene Flussdelphine, als auch graue gesehen.

Das ultimative Naturerlebnis endete im erneuten Regen (zwei Sonnentage waren vorbei). Das Boot hatte zum Glück ein Dach, so dass nur Anibal nass wurde. Die Regenmassen, die da vom Himmel kommen kann man sich selbst als Hamburger nicht vorstellen, wir mussten irgendwann das Wasser aus dem Boot schöpfen um nicht unterzugehen.

Einen Tag später haben wir mit Anibal noch eine kurze Tou

r gemacht, er brachte uns zu einer Hütte am Fluss, wo wilde Aras sich durch das Futter, dass die Touristen mitbringen, an diese gewöhnt haben und ab und zu auf sie warten. Auch ein kleiner Affe ließ sich anfassen und füttern, auch er war aber eigentlich wild und nicht angebunden o.ä.

Den letzten Morgen vor dem Abflug verbrachten wir mit dem Guide, der uns auf den Baum geholfen hatte und einem Biologen bei

einer Kajaktour. Sie haben uns auch quer durch den Dschungel mitgenommen, bis hin zu Seen, in denen wieder Flussdelphine waren. Sich mit dem Paddel durch den Dschungel zu schlagen (diesmal ohne vorher angelegten Pfad) war anstrenged, hat aber echt Spaß gemacht. Diesmal konnten wir auch wilde Affen sehen, die bei der anderen Tour meist vor dem Motorengeräusch des Bootes geflohen waren.
Noch ein paar Eindrücke aus der Stadt:
Am "Hafen" von Leticia; VW-Busse werden als öffentliche Verkehrsmittel genutzt; Fischmarkt auf der Straße nachdem die Fischer zurückgekommen sind, geguckt wird natürlich auch vom unvermeidbaren Moped aus; ich freue mich über einen Sternfrucht-Baum am Straßenrand.


